Wärmepumpe im Altbau: Wann sie sich rechnet und wann nicht
Die Frage „Geht eine Wärmepumpe in meinem Altbau?” lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Sie hängt an drei harten Kriterien – und an einer Handvoll weicher Faktoren.
Kriterium 1: Heizlast
Die Heizlast Ihres Gebäudes (kW) entscheidet darüber, welche Wärmepumpe überhaupt sinnvoll ist. Bei einem nicht modernisierten Einfamilienhaus aus den 70ern liegt sie typisch bei 12–18 kW. Nach Fenstertausch und Dachdämmung können das nur noch 7–9 kW sein – ein deutlicher Unterschied beim späteren Stromverbrauch.
Faustregel: Sanieren Sie die Hülle zuerst, dann die Heizung. Eine Wärmepumpe auf eine ungedämmte Hülle setzen ist möglich, aber teuer im Betrieb.
Kriterium 2: Vorlauftemperatur
Wärmepumpen arbeiten effizient bei Vorlauftemperaturen unter 55 °C. Wenn Ihre aktuelle Heizung im tiefsten Winter mit 70 °C läuft, müssen Sie entweder die Vorlauftemperatur senken (Heizkurve, hydraulischer Abgleich) oder die Heizkörper vergrößern.
Im Idealfall machen Sie vor dem Heizungstausch einen Vorlauftemperatur-Test: Über mehrere sehr kalte Tage senken Sie die Heizkurve schrittweise ab. Bleibt das Haus warm bei 50 °C oder 55 °C? Dann ist die Wärmepumpe ein realistischer Weg.
Kriterium 3: Heizkörperdimensionierung
Wenn einzelne Räume mit der aktuellen Heizung schon „auf Anschlag” laufen, werden Sie nach dem Heizungstausch zwangsläufig dort frieren. Diese Heizkörper müssen vor der Wärmepumpen- Installation vergrößert oder ersetzt werden.
Praxisbeispiel Heppenheim
Ein Reihenhaus aus den 60ern, Baujahr 1968, 140 m² Wohnfläche. Eigentümer wollten Gas raus, Wärmepumpe rein. Erste Bestandsaufnahme zeigte:
- Heizlast: 13 kW (vor Sanierung)
- Vorlauftemperatur Bestand: 65 °C im tiefsten Winter
- Drei Heizkörper an der Wetterseite zu klein
Empfehlung war: Erst Fenstertausch (3-fach-Verglasung statt 2-fach) und Dachdämmung, dann hydraulischer Abgleich und Heizkörpertausch in drei Räumen, dann Wärmepumpe. Resultat ein Jahr später: Heizlast bei 8,5 kW, Vorlauftemperatur stabil bei 48 °C, Wärmepumpe mit 9 kW reicht – statt der ursprünglich angebotenen 14-kW-Anlage. Anschaffung gut 5.000 € günstiger, Stromverbrauch im Betrieb deutlich niedriger.
Was Sie tun sollten
- Vor dem ersten Angebot Heizlast berechnen lassen.
- Vorlauftemperatur-Test im Winter durchführen.
- Heizkörper überprüfen (Raum-für-Raum-Heizlast vs. installierte Leistung).
- Förderpfad klären – BEG-EM (Heizungstausch) bei der KfW, mit allen relevanten Boni (Grundförderung 30 %, Geschwindigkeits-Bonus, ggf. Einkommens-Bonus, ggf. Effizienz-Bonus).
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